Sowjetunion für Anfänger m. 50 B.
#1
Hallo zusammen,

und hier wieder ein Bericht aus der beliebten Anfängerserie, diesmal von meiner ersten Reise in das Gebiet der untergegangenen Sowjetunion, hier genauer gesagt in die Ukraine.

Im März 2011 war ich das erste mal in der nun schon 17 Jahre existierenden Slowakei (seit 1990 kam ich nicht mehr in das Gebiet), sowie nach Ungarn. Dass ich knapp 6 Monate später schon wieder die Gegend unsicher machen würde, kam mir zunächst nicht in den Sinn. 

Im Sommer bekam ich von einem Freund den Hinweis auf eine Fahrt im September von Budapest in die Ukraine an welcher er teilnehmen wolle, ob ich auch Lust dazu hätte. Und ob ich Lust dazu hatte, eine bessere Gelegenheit würde sich so schnell nicht mehr bieten und auch der Preis war verdammt günstig, so dass mich nur ein vorzeitiges und nicht eingeplantes Ableben von dieser Reise abhalten hätte können.

Der Zug war eigentlich gar nicht für Eisenbahnfans gedacht, sondern hatte einen ganz anderen Zweck über den wir uns aber erst im Laufe der Fahrt im Klaren wurden. Veranstalter war MAV-Nostalgie welche auch den Fahrzeugpark stellte und ein ungarischer Eisenbahnfan charterte für eine Gruppe einen ganzen Wagen welcher stets hinter der Lok gereiht war. Auf einigen Unterwegsstationen lief ein Programm ungarischer Folkloregruppen ab um welches wir uns aber wenig bis gar nicht kümmerten.

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Das Zuglaufschild. Etwas verwirrend für Nicht-Ungarn sind die ungarischen Ortsnamen in der Slowakei, Ukraine und Rumänien.

Los ging es in aller Frühe in Budapest Nyugati pu.

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Schon die Lok ein Leckerbissen für Eisenbahnfans. Ein weiteres Highlight für mich aber waren die Waggons: ex-ÖBB Bp, besser bekannt als Schlieren. Für mich das Fahrzeug mit den besten Laufeigenschaften und der bequemste sowie durch seine versenkbaren Fenster bestens zum fotografieren geeignete Wagen, der je gebaut wurde. Liebe Waggonbauer, ihr werdet es auch in 100 Jahren nicht schaffen, die Eigenschaften dieses Wagens zu übertreffen, baut einfach diesen wieder und gut ist.

Erster Unterwegshalt war Sarospatak. Während die Tanzgruppen ihr Programm abzogen, taten wir das Unsere.

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M 41 2332 überholt M 62 320

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Hier nochmal unser Zug in voller Länge.

Im ungarischen Grenzbahnhof zur Slowakei, Satorjauhely, war eine lange Reihe ausgemusterter Fahrzeuge abgestellt

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Für MDmot 3036 kam ich leider etwas zu spät, er wurde ein gutes Jahr vorher ausgemustert. 

Nach einer kurzen Fahrt ging es über die Grenze nach Slovenské Nove Mesto. Dort musste Kopf gemacht werden und da unser Wagen immer an der Zugspitze laufen sollte, musste er ebenfalls mit umgestellt werden. Während des Aufenthaltes wurde es aber auch nicht langweilig.

[Bild: mavm412304slovenskenoyrjb6.jpg]
MAV M41 2304 bringt einen Güterzug ins Heimatland

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Unsere Lok hat inzwischen ihr Rangiergeschäft beendet und steht nun zu Weiterfahrt nach Osten bereit.

[Bild: mavm62328slovenskenovtyk6h.jpg]
Inzwischen steht auch M62 328 auf der Matte.

Und so geht es weiter Richtung Ukraine, die Spannung steigt von Meter zu Meter. Nach einem kurzen Aufenthalt in Čierna nad Tisou kommen wir an den eigentlichen Grenzpunkt, quasi auf freier Strecke wo ein längerer Aufenthalt statt findet, während dem die slowakische Grenzpolizei kontrolliert. Sie haben aber nichts dagegen, dass wir zum fotografieren aussteigen und so entstehen recht seltene Aufnahmen von dieser Örtlichkeit.

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Unser Zug am Grenzpunkt, die drei Säulen sind Detektoren für die Kontrolle der Güterzüge.

Drehen wir uns um 180°, blicken wir bereits in die Ukraine

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Nur ein paar Meter sind es bis zur eigentlichen Grenze. Im Hintergrund verlässt ein Güterzug den Kontrollbahnhof Richtung Slowakei.

[Bild: ukr1065oej5q.jpg]
Hier der exakte Grenzpunkt

Nun wird es immer spannender. Wir überqueren die Grenze und halten im Kontrollbahnhof, wo unsere Pässe eingesammelt werden.

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Bei der Einfahrt hängt natürlich die ganze Truppe an den offenen Fenstern (habe ich euch schon erzählt, dass man aus den Schlieren-Wagen heraus hervorragend fotografieren kann?) und lässt die Verschlüsse glühen. Die protestierenden Grenzsoldaten geben aber angesichts der Übermacht schnell auf.

Mein russisch und ukrainisch sprechender Freund frägt die Polizei beim einsammeln der Pässe, ob hier fotografieren erlaubt sei, was leider verneint wird. Aber zu spät, auch sie kapitulieren vor der Übermacht der Fotografierenden.

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Im Kontrollbahnhof zeigt sich noch WL11-123, welche sich ebenfalls der fotografierenden Masse ergeben hat.

Im Bahnhof von Chop findet dann ein längerer Aufenthalt statt während dem wir recht frei bewegen können, wir sind selbst erstaunt über so viel Freizügigkeit.
Vom Fußgängersteg über den Bahnhof hat man einen guten Einblick ins Depot, den wir natürlich ausgiebig genießen.

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Und natürlich findet der Zugverkehr unsere Aufmerksamkeit

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ER1-332 noch mit der Original Front

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Eine unbekannte WL 10 wartet auf die Abfahrtszeit.

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Der Lokführer der WL11-068 ist scheinbar erstaunt über den seltsamen Zug.

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Inzwischen hat unser Zug Vorspann durch die normalspurige ČME3-3375 bekommen, welche uns nun auf der gesamten Strecke im Breitspurland begleiten wird.

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Beeindruckend auch das Gleisgewirr aus Normal- und Breitspur, hier die Ausfahrt Chop Richtung Osten.

Es geht nun weiter zu unserem heutigen Ziel, Berehowo, nahe an der Grenze zu Ungarn gelegen. Nach Ankunft werden wir zu unseren Unterkünften gebracht. Unsere befindet sich am Ortsrand Richtung Grenze, man kann bequem in den Ort laufen. Für heute ist erst mal noch Gemeinschaftsverpflegung angesagt, danach fallen wir recht müde ins Bett, sind wir doch schon sehr früh aufgestanden.

Am nächsten Tag haben wir ein eigenes Programm, eine Fahrt mit der Schmalspurbahn von Vinohradiv nach Irschawa und zurück über die nur für gelegentliche Überführungsfahrten benutzte Strecke von Chmilnik nach Berehowo. Von Vinohradiv nach Irschawa und zurück bis Chmilnik findet die Fahrt im planmäßigen Zug statt, nach Berehowo in einem Sonderzug.

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Unser Zug nach Irschawa mit TU2-098. Ist nur gut, dass nicht viele Einheimische mitfahren wollten, die beiden Wagen waren durch unsere Gruppe nahezu vollständig in Beschlag genommen.

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Unterwegshalt in Schalanki

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Umfahren an der Endstation Irschawa, im Hintergrund die markante orthodoxe Kirche. Schade, dass wir hier nur recht kurzen Aufenthalt haben. Nebenan wäre auch Markt gewesen was ebenfalls einen Besuch wert gewesen wäre.


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Sieht fast aus wie ein fahrbares Wochenendhäuschen


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In Chmilnik muss der Lokführergehilfe Kühlwasser nachfüllen.

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TU2-034 wird uns nun direkt nach Berehowo bringen.

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Unterwegs gibt es noch einen Fotohalt.

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Endstation Berhowo Schmalspurbahnhof. 

Der Nachmittag stand nun zur freien Verfügung und so begaben wir uns erst mal zum Bahnhof wo es auch einen Kiosk gab an dem es was trinkbares gab, die Temperaturen waren doch noch sehr sommerlich. Wir hatten auch schon mit Fahrplänen aus dem Internet vorgesorgt und die wurden nochmals mit den am Bahnhof aushängenden verglichen. Alles o.K., also Fahrkarten nach Vinohradiv gekauft und dort nochmal vorbei geschaut.

Unterwegs werden wir ziemlich stutzig, mitten in der Wildnis ein Lokdepot mit jeder Menge abgestellter Loks die alle einen recht ordentlichen Eindruck machen.

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Zu Hause recherchiere ich erst mal, was ich denn da gesehen habe und des Rätsels Lösung verblüfft mich dann doch. Es handelt sich hier um eine strategische Reserve.

Die Zugfahrt mit dem D1 ist auch recht lehrreich.

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Zuerst natürlich die Holzbänke, Abenteuer pur. Die Dame unter der Türe ist übrigens die Schaffnerin und der Herr mit dem großen Sack ein mobiler Händler. Von dem brauchen wir aber nichts.

Da ist uns die dann auf der Bildfläche erscheinende Dame doch lieber

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Im Gegensatz zum oft fehlenden Speisewagenservice bei der DBAG funktioniert die Versorgung mit Speis und Trank hier tadellos. Es werden verschiedene hausgemachte Speisen angeboten und kein Convinience-Gelumpe.

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D1-582 verlässt Berehowo Richtung Osten, ganz rechts das Normalspurgleis.

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In Borsawa Kreuzung mit D1-632

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In Vinohradiv wartet der Nahgüterzug nach Korolevo.

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Bemerkenswert der Gleisabschluß, da fährt so schnell keiner drüber.




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TU2-098 startet zu einer weiteren Tour nach Chmilnik.

Am nächsten Tag geht es dann auch schon wieder zurück nach Budapest, aber nicht auf dem Weg den wir bei der Hinfahrt hatten, sondern über Rumänien.

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In Borsawa haben wir Kreuzung mit D1-769 der Richtung Westen fährt. Für uns gehts noch etwas weiter nach Osten.


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In Vinohradiv wird unser Zug von D1-731 überholt. Die Vorspannhummel haben wir einstweilen "in die Wüste" geschickt, damit wir die NOHAB ordentlich aufs Bild bekommen.

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Nächste Station ist der ukrainische Grenzbahnhof Djakowo wo wieder ein längerer Aufenthalt stattfindet. Zum einen findet hier wieder ein Folkloreprogramm statt, zum andern ist die Grenzpolizei samt Hund damit beschäftigt, den Zug zu untersuchen. Frägt sich nur auf was? Die weit über 400 Insassen treiben sich alle irgendwo in der Landschaft herum, wer wohin gehört kann nicht nach vollzogen werden.

Nun gehts wieder über die Grenze, nächste Station ist der rumänische Grenzbahnhof Halmeu

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Grenztor aus Richtung Ukraine

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In Halmeu tauschen wir die ukrainische Normalspurhummel gegen die rumämische 60-1210, welche uns bis Valea lui Mihai bringen wird.

Unterwegs ein kurzer Halt in Satu Mare

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Alles Bekannte aus anderen Ländern

Bei der Durchfahrt in Carei kann ich gerade noch dieses lustige Gefährt erlegen, ich bin nicht der einzige der Interesse daran hat.

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MAV Bzmot 413 mit der lustigen Gattungsbezeichnung Interpici. Falle sich noch jemand derer erinnern kann, das war ein zuschlagpflichtiger Nahverkehrszug, hier grenzüberschreitend nach Ungarn.

Bevor es wieder zurück nach Ungarn geht, ist noch ein Aufenthalt mit dem üblichen Folkloreprogramm in Valea lui Mihai. Ab dort kann uns dann auch wieder die NOHAB alleine befördern.

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Großer Auflauf an Loks und Menschen. Vorne unsere rumänische Vorspannlok, dahinter rechts unser Zug mit der NOHAB, links daneben ein weiterer Zug nach Oradea und ganz links noch ein Güterzug. Beachtenswert auch die Gruppe Formsignale.

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Im Bahnhof hat sich auch eine Abteilung der DBAG breit gemacht.

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CFR 82-410

Während der gesamten Fahrt stand uns auch ein stilvoller Speisewagen zur Verfügung von dem ausgiebig Gebrauch gemacht wurde.

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Mit einer saftigen Verspätung kamen wir wieder zurück nach Budapest, wo wir nur noch todmüde ins Bett fielen.

Grüße und bleibt Gesund
Karlheinz
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