Ein letztes Mal... (14 B.)
#1
... vor der deutsch-tschechischen Grenzschließung, deren Ende noch nicht absehbar ist, führte es mich am 08.03.2020 erneut an die Strecke Moldava v Krušných horách - Most, nachdem bereits am 15.02. eine Mitfahrt im Zug unternommen wurde. Das Wetter war schön und so zog es zahlreiche Menschen auf die Höhen des Osterzgebirges, sowohl zum Langlauf, als auch zum Wandern. Neben dem Kraftfahrzeug, nutzten natürlich auch einige Ausflügler die Bahn, um die steile Südseite des Grenzgebirges zu erklimmen. Vom verschneiten Winterwald war zu Beginn der rund 70-minütigen Fahrt im nur 233 Meter hoch gelegenen Most natürlich noch nichts zu sehen und auch in Osek sah es nicht anders aus. Stellvertretend hierfür ein Bild der ersten Talfahrt des Tages:

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810 213 und 810 369 als Os 26801 (Moldava v Krušných horách - Most) am 08.03.2020 in Osek město by Nils Floß, auf Flickr


Ein Blick in den Innenraum des Beiwagens (15.02.2020): Hier findet man nach wie vor alte Ledersitze, die den typischen Nebenbahnflair auch bei der Mitfahrt ausstrahlen:

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Innenraum by Nils Floß, auf Flickr


Auf dem Weg zur 400-Meter-Marke, findet man, gut versteckt auf dem bewaldeten Hang oberhalb des Ortes Křižanov, ein kleines, frisch saniertes ehemaliges Bahnwärterhaus, was nun als Wohngebäude dient. Direkt nebenan, das Křižanovský viadukt:

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810 213 und 810 369 als Os 26802 (Most - Moldava v Krušných horách) am 08.03.2020 in Křižanov by Nils Floß, auf Flickr


Es folgt die Überquerung des eindrucksvollen Mlýnský viadukt. Die erste Bergfahrt des Tages konnte hier kurz nach Sonnenaufgang dokumentiert werden:

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810 213 und 810 369 als Os Os 26800 (Most - Moldava v Krušných horách) am 08.03.2020 in Hrob by Nils Floß, auf Flickr


Im fast 600 Meter hoch gelegenen Bahnhof von Dubí ist die markante Spitzkehre der Strecke erreicht. Am 15.02. war hier schon eine dünne Schneedecke vorzufinden:

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810 213 und 810 369 als Os 26801 (Moldava v Krušných horách - Most) am 15.02.2020 in Dubí by Nils Floß, auf Flickr


Nach dem Fahrtrichtungswechsel geht es mit der gleichen enormen Steigung weiter. Im kleinen Ort Mikulov v Krušných horách liegt der Bahnhof mehr als 100 Höhenmeter über dem Ortskern und ist von der Hauptstraße aus nur über eine extrem steile Nebenstraße zu erreichen. Es folgt der "Hirschbergtunnel", danach das Mikulovský viadukt und der "Wasserscheidentunnel", bevor endlich Mikulov-Nové Město und damit die verschneite Gipfelregion des Erzgebirgskammes erreicht ist. Dazu eine Aufnahme des ersten "Bergfahrers" des Tages:

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810 213 und 810 369 als Os 26800 (Most - Moldava v Krušných horách) am 08.03.2020 in Mikulov-Nové Město by Nils Floß, auf Flickr


Hier wird einem klar, wo die Wander- und Wintersportbegeisterten, welche in Most oder Osek zugestiegen sind, ihren Sonntag verbringen wollten:

[Bild: 49686141666_a44b94ebd0_b.jpg]
810 213 und 810 369 als Os 26801 (Moldava v Krušných horách - Most) am 08.03.2020 in Mikulov-Nové Město by Nils Floß, auf Flickr


Ein weiteres Foto entstand bei der zweiten Bergfahrt:

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810 213 und 810 369 als Os 26802 (Most - Moldava v Krušných horách) am 08.03.2020 in Mikulov-Nové Město by Nils Floß, auf Flickr


Doch das ("aktuelle") Ende der Strecke ist noch immer nicht erreicht. Durch den verschneiten Winterwald führen die letzten Kilometer nach...

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Moldava v Krušných horách by Nils Floß, auf Flickr

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810 213 und 810 369 am 15.02.2020 in Moldava v Krušných horách by Nils Floß, auf Flickr


Endstation. Nachdem alle Fahrgäste den Zug verlassen hatten, wurde der Zug schon für die nächste Talfahrt bereitgestellt und rangiert. Nach Freiberg wird es an diesem Tag nicht mehr weiter gehen...

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810 369 und 810 213 am 08.03.2020 in Moldava v Krušných horách by Nils Floß, auf Flickr

[Bild: 49693842298_0d606b415a_b.jpg]
810 369 und 810 213 am 08.03.2020 in Moldava v Krušných horách by Nils Floß, auf Flickr


... und zwei Wochen später auch vorübergehend nicht mehr nach Most. Nein, ich fange jetzt weder an, eine Trauerrede zu verfassen, noch mich aufzuregen, wie unbegründet alles wäre oder das Gegenstück - die Endzeit auszurufen, sondern hoffe eher, ein wenig Abwechslung zur Hektik und Isolation geboten zu haben. Hoffen wir einfach, dass in ein paar Monaten wieder ein wenig Ruhe und Stabilität einkehrt, gerade bei gewissen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Themen und besonders diese Art von Ausflügen wieder möglich ist.

[Bild: 49704196187_8001a02f3f_b.jpg]
Moldava v Krušných horách by Nils Floß, auf Flickr
Gruß Nils
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#2
(27.03.2020, 14:43)DGL schrieb: ...  sondern hoffe eher, ein wenig Abwechslung zur Hektik und Isolation geboten zu haben. Hoffen wir einfach, dass in ein paar Monaten wieder ein wenig Ruhe und Stabilität einkehrt, gerade bei gewissen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Themen und besonders diese Art von Ausflügen wieder möglich ist.

Hallo Nils, wahre Worte meint Niels! Cool

Danke für diesen Bilderbogen des ganz normalen Alltags den wir uns Alle vermutlich so stark zurücksehnen.
Er war eine gute Ablenkung vom allgegenwärtigem Thema.
_____________[Bild: kufr.gif]____________
                      ==== Alois N. =====
+++ Wer kein Bier hat, hat nichts zu trinken. (ML) +++
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#3
Das Gebäude rechts oberhalb des alten Moldauer Lokhäuschen (letztes Bild) ist schon seit Jahrzehnten ruinös, in der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik war dort ein Ferienheim untergebracht, als Skihütte und Gasthaus hat es möglicherweise auch noch die ersten 1990er Jahre erlebt. Ich vermute, dass dort an erhöhter Position einst das Verwaltungsgebäude für das Lokhäuschen war. Der Lokomotiveinsatz war durch den Zug-, Vorspann- und Schubdienst bis 1945 sehr umfangreich. Gewiß wurden auch Reichsbahnmaschinen in Moldau abgefertigt. Der Lokdisponent vielleicht auch der Rangiermeister konnten das gesamte Bahnhofsgelände überblicken. Sicher gab es in dem Gebäude auch Dienstwohnungen oder Personalunterkünfte.. Die Trennung vom Verkehrsdienst, den Finanzern und der Grenzwarte im großen Bahnhofsgebäude war auch gegeben.

[Bild: dsc07194yej62.jpg]

[Bild: dsc07205btjms.jpg]

[Bild: dsc07200d8kxi.jpg]

[Bild: 230907-nmesto2v4kzv.jpg]
100 m von der zastávka ist noch ein letzter Rest des einstigen Depos Nové Město zu erkennen, das Wasserhaus und ein anschließendes Werkstattgebäude oder ein Stück Heizhaus. Die Lokomotiven aus dem k. u. k. Österreich, der Tschechoslowakei oder aus Sachsen wurden hier mit Wasser aus der Wilden Weißeritz gespeist.

Und so sah ein milder Winter in Friedenszeiten aus:[Bild: 1997-01-1270401001281f9jpo.jpg]
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