[SLO][HR] Dieselnd durchs Hinterland der Adria (1/5)
#1
Servus zusammen,

lange her, dass ich sowas wie einen Reisebericht geschrieben habe, in diesem Forum dürfte es sogar das erste Mal sein. Mal sehen, ob ich das noch kann...

Im Juli war ich dieses Jahr relativ unproduktiv, nach einer ersten Woche virtueller Fortbildung, die ich aus dem Bayerischen absolviert habe, startete ich von dort Richtung Kroatien. Während die zwei Jahre Pandemie beim ein oder anderen bis dahin überzeugen Bahnfahrer zur Anschaffung eines Autos geführt haben, beschränkt sich mein Fuhrpark weiterhin auf zweirädrige Gefährte, die auch nur eingeschränkt langstreckentauglich sind. Als erste Etappe ging es also von München nach Ljubljana. Der dort eingeplante Puffer von fast einem Tag erwies sich als bitter nötig: wegen der Baustelle zwischen München und Salzburg war der Weg nach Ljubljana über Wörgl und die Giselabahn geplant, jedoch liess die SBB den EC "Transalpin" bereits nach wenigen Kilometern hinter Zürich enden und die ÖBB hielt es für nicht notwendig, diesen Zug irgendwie zu ersetzen. So kam ich am ersten Tag nach über elf Stunden Fahrt immerhin bis Villach, wobei ich ab Wörgl über zehn Stunden gebraucht habe...
Nach einer von der ÖBB finanzierten Übernachtung in Villach ging es am nächsten Morgen mit der einzigen S-Bahn des Tages (auch ein 24h-Takt ist ein Takt?!?) nach Jesenice und von dort mit einem Stadler KISS nach Ljubljana. Da nun nur noch drei Stunden bis zur Übernahme des Mietwagens zu überbrücken waren, fuhr ich zur Streckenerkundung nach Kamnik, die Strecke wird bis auf wenige Ausnahmen komplett mit Diesel-Flirt der Reihe 610 bedient.

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610 032/031 hat den Tunnel zwischen Kamnik Graben und Kamnik Mesto durchfahren und erreicht den Haltepunkt Kamnik Mesto.

Nach der Rückkehr wurde zur Überbrückung noch eine halbe Stunde im Hauptbahnhof Ljubljana geknipst...

[Bild: 7-17406.jpg]
541 017 und 541 104 verlassen Ljubljana mit einem der zahlreichen Güterzüge auf der Achse AT/HU - Koper. Die sollte dieses Mal jedoch nicht mein Ziel darstellen.

Nach Übernahme des zweitschlechtesten Mietwagen aller Zeiten (ein sechs Jahre alter, goldfarbener Megane mit dem lustigen Kennzeichen NM-SL 911 - er sollte sich weder als SL noch als 911 erweisen...) ging es südostwärts. Einen bei der Abfahrt in Ljubljana gesehenen 713/715 nach Metlika verpasste ich, weil es leichte Differenzen in den Fahrzeitenangaben zwischen diversen Apps gab. Manchmal war das mit den Kursbüchern schon nicht so schlecht, aber die Schlepperei vermisse ich doch nicht.
Nach gut vier Stunden Fahrt erreichte ich Kastela, wo ich für einige Nächte ein Zimmer reserviert hatte. Beim Einparken einen vermeintlich harmlosen Unfall (nur Blechschaden) gehabt, dessen Folgen mich auch zwei Monate noch beschäftigen, weil der Vermieter  (die örtliche Dependence eines großen grün-weißen Anbieters) jegliche Kommunikation zu dem Thema verweigert.
Noch nichts von den Schwierigkeiten ahnend, ging es am nächsten Morgen/Vormittag nur wenige Kilometer ins Hinterland rund um die hier bestens bekannten Orte Labin, Primorski Dolac und Perkovic:

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2044 020 mit dem ersten Nachtzug B1782 "Dalmacija" (Osijek - Split) bei Prgomet

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7123 011/012 als "Perkopendel" Pu 5502 (Split-Perkovic) ebenfalls bei Prgomet

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2044 021 mit dem zweiten Nachtzug B1204 "Adria" (Budapest - Split) bei Labin

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Der "Perkopendel" bei der Rückfahrt am Einfahrsignal Labin

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Der dritte Nachtzug EN 1153 (Bratislava - Split) gab sich mit 2044 018 die Ehre

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Danach war dann mal Platz für einen Güterzug: 2063 014 erreicht unterfordert mit einem kurzen Tads-Ganzzug Perkovic

[Bild: 7-17518.jpg]
Dergleiche Zug kurz drauf auf dem schon oben gesehenen Damm unterhalb von Labin

Nach diesem fast schon stressigen Vormittagsprogramm wurde es dann aber etwas ruhiger, denn nach zahlreichen Ausfällen und Busersatz an den vorherigen Tagen sollte der Regiojet tatsächlich Split erreichen.

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2044 028 mit dem Regiojet bei Prgomet (gleiche Stelle wie der "Dalmacija" am Morgen)

Nun war alles in Split bzw. Solin, so dass jetzt quasi alles Interessante bergwärts fahren musste - und das nicht zu knapp:

[Bild: 7-17559.jpg]
Den Anfang machte DER Zug, ja genau, er heisst immer noch 60340. 2062 024 und 110 schleppen eine beeindruckende Leine bergwärts und können hinter Labin kurz den Volllastmodus verlassen.

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2044 016 hat den Urlaub am Meer in Solin beendet und bringt den Regiojet wieder zurück

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Stellenwechsel nach Sadine für die weiteren zwei Nachtzüge: 2044 018 bringt kräftig russend den EN 1152 Richtung Bratislava bis Ogulin

[Bild: 7-17613.jpg]
Und zum Abschluss dieses gigantischen Tages kommt 2044 020 mit dem "Adria" wieder bergwärts. Am Nachmittag gab es bei Sibenik grossflächige Buschbrände, der abziehende Rauch schränkte auch im Bereich Kastela/Split die Sicht in der Ferne ziemlich ein. Aber solang dass das einzige Problem darstellt...

Soweit mal zum ersten Tag. Zusammen mit den hier nicht gezeigten Zügen ergab das zwischen 9h morgens und 19h abends zwanzig Zugfahrten, also zwei pro Stunde. Was zunächst lächerlich klingt, halte ich angesichts der an der Strecke üblichen Betriebsverfahren und Zugfolgezeiten von 15-20 Minuten für die Strecke Labin - Kastel Stari für höchst respektabel. Das wirkt schon aus der Zeit gefallen und oft so, als würde gleich 1850 anrufen und seinen Bahnbetrieb zurückfordern.
Viele Grüsse,
Christian

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