Noch ein Empfangsgebäude gerettet: Karviná-město
#1
Thumbs Up 
Das alte Bahnhofsgebäude in Karviná-Fryštát hat einen neuen Besitzer. Es gehört nicht mehr dem Staat, der seit langem den Abriss des 120 Jahre alten baufälligen Gebäudes plante, sondern dem Verein S.O.S. Karviná, der es in einer öffentlichen Ausschreibung von der Eisenbahnverwaltung gekauft hat. Er war der einzige Antragsteller und zahlte etwas mehr als 300 Tausend Kronen für das Gebäude und das Grundstück.
"Wir freuen uns natürlich", sagt das Mitglied des S.O.S. Karviná Radim Kravčík und fügt hinzu, dass derzeit Verwaltungsangelegenheiten rund um die Übertragung der Immobilie an einen neuen Eigentümer im Gange sind - der Kaufvertrag, die Zahlung, die Eintragung in das Grundbuch werden geklärt.

Die Sammlung geht weiter

Das Geld für den Kauf des Anwesens konnte dank einer öffentlichen Sammlung angehäuft werden, zu der Hunderte von Menschen nicht nur aus Tschechien, sondern auch aus Polen beigetragen haben. Laut den Organisatoren der Sammlung waren sie wahrscheinlich mit den Bemühungen um die Rettung des Gebäudes einverstanden, das ein wichtiger Teil der Geschichte von Fryštát ist. „Vielen Dank an alle, die dazu beigetragen haben“, sagte Kravčík und fügte hinzu, dass die Leute immer noch etwas beitragen können.
Die Sammlung läuft noch und das Geld wird nun vom Eigentümer des Gebäudes für die Rekonstruktion verwendet. Dies wird jedoch schrittweise erfolgen, abhängig von den finanziellen Möglichkeiten. „Wir werden nach Fördermitteln suchen und ein Projekt für die Rekonstruktion vorbereiten“, fügte Kravčík hinzu
Zunächst will der neue Eigentümer die Obdachlosen aus dem Gebäude entfernen und die Unordnung innen beseitigen. Und natürlich so sichern, dass es niemand unerlaubt betreten kann. Dieses Jahr braucht es ein neues Dach, damit es nicht in das Gebäude hinein regnet.

Einrichtungen für Vereine und eine kleine Galerie

Und für dieses Jahr sind bereits Veranstaltungen für die Öffentlichkeit geplant, bei denen sich die Öffentlichkeit mit der Geschichte der Lokalbahn und der ganzen Stadt vertraut machen kann. Zur Propagierung der Eisenbahn und der historischen Züge möchte der neue Eigentümer mit dem Schlesischen Eisenbahnverein zusammenarbeiten, der ähnliche Veranstaltungen in ganz Ostrava und Karviná organisiert.
Die Pläne für die zukünftige Nutzung des Gebäudes in der Palackého-Straße in Fryštát ändern sich nicht. Schon früher deklarierten die Mitglieder des S.O.S. Karviná, dass sie nach der Reparatur ein Eisenbahnmuseum und eine kleine Galerie als Hintergrund für lokale Vereine anbieten wollen. Vor allem aber wird das Gebäude aus dem Jahr 1898 als Beispiel für die Eisenbahnarchitektur der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und ein an die Geschichte von Fryštát erinnerndes Denkmal für künftige Generationen erhalten bleiben.

ZUM THEMA

Der Bahnhof in Fryštát war von 1898 bis 1962 in Betrieb und befand sich an einem der Zweige der Kaiser-Ferdinand-Nordbahn. Im Laufe der Jahre änderte er seinen Namen: Freistadt in Schlesien, Fryštát v Slezku bis zum heutigen Karviná-město. Bis in die 1960er Jahre führte die Eisenbahn aus Bohumín und Petrovice weiter nach Ráje, Darkov, Lipin und Karviná, von wo aus man weiter nach Ostrava oder Těšín fahren konnte.

Quelle: https://opavsky.denik.cz/z-regionu/poved...ho-20.html
Gruß aus Weixdorf vom Bahnsteig
Seid nett zueinander  Heart
T
T
Folgende Nutzer haben sich bei wxdf für diesen Beitrag bedankt:
  • Tendrzak Wratislaviensis
Zitieren
#2
Dzień dobry! Dobry den! Guten Tag!

Kleine Ergänzung zum Kauf dieses Bahnhofgebäudes: Die Rede ist davon, dass viele Polen sich an der Rettung des EG beteiligt haben. Ferner mache ich darauf aufmerksam, dass der Familienname des Autors Januszek ein polnischer und kein tschechischer ist.

Hintergrund: das Gebiet um Cieszyn/Cesky Tesin, zu deutsch Teschen ist bis heute teils mehrheitlich von Polen bewohnt. Das sog. Olsagebiet war unmittelbar nach Beendigung des 1. Weltkrieges in die Schlagzeilen der großen Politik geraten. Polen wollte den westlichen, heute zu Tschechien gehörigen Teil des Olsagebietes auf polnischem Staatsgebiet wissen. Der Völkerbund entschied als Kompromiß zwischen den Kontrahenten für die Teilung des Gebiets entlang der Olsa, einem Nebenfluß der Oder. Auf diese Weise wurde Cieszyn 1920 zwischen Polen und der damaligen Tschechoslowakei geteilt und ist bis heute eine geteile Stadt zwischen Polen und Tschechien. Aus eben diesem Grund wurde die Straßenbahn der Stadt Cieszyn eingestellt, da sie sich nach der Teilung  der Stadt als unwirtschaftlich erwies. Das Gebiet um Frydek-Mistek ist eines der Hochburgen polnischer Bevölkerung. Alle Aufschriften sind dort bis heute zweisprachig gehalten.

Im Folgenden einmal der Wikipedia-Artikel zur Straßenbahn sowie der Link zu einem Film vom 07.09.1919:

https://pl.wikipedia.org/wiki/Tramwaje_w_Cieszynie
http://tramwaje.muzeumcieszyn.pl/index.p...l&a=filmpl

Freundliche Grüße nach Deutschland
Tendrzak Wratislaviensis
Zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste