[CZ] [D.sn] Letzte Reise vor der Warnung! (17 B.)
#1
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Haff-haff,


endlich kommt mal ein erstes Gebell aus der Hütte, in der der überwiegend schreibfaule Hund bisher sehr passiv am Visegrader Bahn-Forenleben teilgenommen hat. Nicht mal zum regelmäßigen Drücken auf den „Danke“-Knopf hat's gereicht. Ganz klar: Da gehört gehörig Asche aufs Hauptsignal.


Blicken wir also kurz zurück in die Zeit vor dem langen Winterschlaf, der meteorologisch gerade zu Ende geht und pandemisch... nun ja. Allerdings nicht in der Forenrubrik „Heute vor...“ (0,5 Jahren), denn dann wäre für den Beitrag ja noch eine passende Verspätungskodierung auszuwürfeln. Dann also lieber hier rein, oder?


Eines schönen Sonnabendmorgens im September 2020 treffen sich also zwei Elemente einer verhaltenshomogenen Personengruppe im Dunstkreis der Betriebsstelle Lipsko hl. n. Natürlich nicht ohne die Betriebsstoffe, ohne die bekanntlich keine Eisenbahn fährt.


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Pfoto 1: Auf den Kollegen Elk ist wieder mal Verlass. Na dráhu!


Schnitt: ----------8<----------


Ungefähr zur gleichen Zeit tut im fernen Zlonice eine weitere Dienstkaffeemaschine ihren Dienst. Angesichts der zuletzt heftig gestiegenen Infektionszahlen auch im Středočeský kraj nimmt der Kollege Slon sicherheitshalber noch eine weitere Substanz zu sich:


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Pfoto 2: Einen zu dieser Zeit gerade neu eingeführten Gurgeltest, den eine belgische Arzneimittelbude in Lizenz eines mexikanischen Pharmariesen auf den Markt gebracht hat. Testergebnis (A-Note) und Geschmackserlebnis (B-Note): beide negativ.


Noch ein Schnitt: ---------->8----------


Es dauert ein wenig, bis wir von Norden her das Foreneinzugsgebiet erreichen. Damit es uns zwischendurch nicht langweilig wird, stellt Kollege Elk uns dem Zeitgeist entsprechend ein Bahnhofsrätsel aus der Heimat seiner Vorfahren.


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Pfoto 3: Mikä rautatieasema se on? (Které vlakové nádraží je to?) Zu gewinnen gibt es einen Schwitzgang in einer finnischen Sauna mit der Geschmacksrichtung „FCKW-frei“, einzulösen an einem heißen Sommertag in einem Fahrzeug mit defekter Klimaanlage.


Zum 11-Uhr-Knoten erreichen wir Cranzahl. Die planmäßigen 37 Minuten bis zur Weiterfahrt sind nicht zu großzügig bemessen, sind doch gemäß den örtlichen Richtlinien eine ganze Reihe von Bedienhandlungen auszuführen.


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Pfoto 4: Erstens die Spurweitenwechselbehopfung, in dieser Richtung mit einem Volumen von 750 ml. Bei Bedarf und Zeit könnte man sich auch noch die Salatschüssel füllen lassen.


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Pfoto 5: Anschließend steht eine kurze Auffrischung der Baureihenkunde an. Nach den positiven Erfahrungen in vielen anderen Fahrzeugprojekten kommt inzwischen auch hier ein Mock-up (Holzmodell) zum Einsatz.


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Pfoto 6: 11.37 Uhr: „Ber Pfub ifp abfahrbereip.“ Oder regionaltypisch: „Ferpf!“


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Pfoto 7: Bei Unterneudorf lassen wir uns im Rahmen der Möglichkeiten den Dampf um die Nase wehen.


In Niederschlag wird es spannend – weniger meteorologisch als vielmehr betrieblich.


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Pfoto 8: Vorbeifahrt am kreuzenden Gegenzug. Aus diesem vernehmen wir den entzückten Ausruf: „Och gugge ma, där Elch hadd ooch 'nen Schnudndeggl off!“ Ähm, ja, warum auch nicht? Wenige Wochen später wird übrigens dieser Fachbegriff zum „schönsten sächsischen Wort des Jahres 2020“ gewählt werden.


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Pfoto 9: Noch ein kurzer Blick auf den Gegenzug und die Fahrwegeinstellung für diesen, dann geht’s weiter pöhlbachaufwärts.


Verkehrsplanerisch trivial wäre ja eine Mitfahrt bis zum Endbahnhof. Stattdessen steht in unserem Plan ein Ausstieg in Hammerunterwiesenthal. Das gibt Gelegenheit für ein weiteres Bildrätsel.


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Pfoto 10: Welcher der hier begangenen Fehler wiegt am schwersten: Hochlicht, Gegenlicht, Nachschuss, Wolkenschaden, Reisendenschaden oder nicht entfernte störende weil ahistorische Leuchte? Unabhängig davon hat der Zug unseren Beförderungswunsch vollumfänglich erfüllt.


Vor uns liegt nun ein eigentlich völlig unspektakulärer Vorgang: Ein paar Schritte nach Osten und die Überquerung eines Baches.


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Pfoto 11: Gleich danach kommt es zur Zusammenführung zweier Reiseketten. Kollege Slon hat die letzten Kilometer bis hierher gummibereift zurückgelegt – eine vollständig schienengebundene Anreise über Cranzahl mit Ausrücken am selben Tag und der oben schon erwähnte Corona-Schnelltest ließen sich leider nicht unter ein Dach bringen, wie er erklärt.


Auch nicht unter ein Dach bringen lassen sich unsere gegenseitig zu erzählenden Neuigkeiten – dazu bleiben wir lieber an der frischen Luft. Allerdings erhalten wir so trotz zahlreicher Gelegenheiten in České Hamry keine Behopfung.


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Pfoto 12: Das hat zumindest den Vorteil, dass wir vom Ortsrand aus den Fichtelberg nur zweimal sehen.


Weiter drin im Wald wird es dann aber doch Zeit zur nächsten Getränkebestellung.


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Pfoto 13: „Fünf große Pilz und ein paar Kurze bitte!“


Deutlich früher als gedacht erreichen wir Kovářska. Wir nehmen daher die Durchschnittsgeschwindigkeit des Wochenendnachmittages in der Kleinstadt auf, genießen die erwähnten Flüssigkeiten mit ein paar Begleitrohstoffen und – zusammen mit vielen weltoffenen einheimischen Nasen – die Spätsommersonne. Hach, hier könnte man bleiben bis zum Herbst...


Wenn denn nicht die letzte Verbindung des Tages zur Rückfahrt rufen würde. Dankenswerterweise hat man den Weg zum Bahnhof und zum etwas stadtnäheren Haltepunkt für intensivbehopfte Fahrgäste mittels eines innerstädtischen Verkehrsmittels deutlich erleichtert. Um nicht wieder Irritationen wie im Sommer in Tachov zu erzeugen, lassen wir uns diesmal sicherheitshalber in unserer Funktion als Insassen pfotografisch dogumentieren:


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Pfoto 14: Passend zum Wetter ist heute das Fahrzeug „Slunéčko“ im Einsatz. Es überzeugt mit einer butterweichen Schraubenfederung sowie einer offenbar TSI-Crash-konformen Wagenkastenversteifung. Da der gesamte Verkehrsbetrieb im Hinblick auf sein Haupteinsatzgebiet als Vergnügungsbetrieb konzessioniert ist, liegt er zum Zeitpunkt unserer Mitfahrt hinsichtlich der Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr in einer Grauzone. Trotz der poppigen Farbgebung. Inzwischen hat sich das möglicherweise geändert.


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Pfoto 15: Am Haltepunkt Kovářska městys sammelt uns schließlich der weißgrüne Kollege der Linie T7 ein, der kurz nach uns aus dem Wald bricht und die Betriebsstelle erreicht.


Manch einer fragt sich vielleicht, ob unsere verhaltenshomogene Personengruppe immer noch aus drei Elementen besteht. Ja, tut sie: Es ist ja schließlich nicht verboten, von hier aus nach Zlonice über Cranzahl zu fahren, solange man sich dort nicht beim Aussteigen erwischen lässt.


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Pfoto 16: So ertönen Abschiedsgebell und -térééé über die Grenzen des Lichtraumprofils hinweg. Kollege Elch ist schon mal vorgegangen und hält die Erzbahn fest – danke!


Und dann folgt ein langer Winterschlaf.





Epilog: Wer sich jetzt Sorgen um den Gesundheitszustand des dickhäutigen Kollegen im späteren Hochinzidenz- und noch späteren Virusvariantengebiet macht, dem sei Entwarnung gebellt: Ihm geht’s den Umständen entsprechend gut. Auch wenn er gelegentlich auf hohem Niveau jammert, er wolle irgendwann auch mal wieder was anderes sehen als immer nur blauen Plüsch. Aber da lässt sich ja nachhelfen: Der Trend geht bekanntlich zu virtuellen Schweinereien im öffentlichen Verkehr.


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Pfoto 17: Auch schon wieder Schnee von gestern: Quasi-gemeinsamer Ausflug mittels Videoschaltkonferenz auf die Höhen des Thüringer Waldes. Das Mobilfunknetz ist hier so gut ausgebaut, dass es für einen leidlich aufgelösten Videostrom im Zweirichtungsbetrieb aus und nach Zlonice reicht. Und so kann auch der Kollege Slon aus seinem heimatlichen okres verfolgen, wie das Rotkäppchen am Bahnhof Stützerbach uns von der pünktlichen Vormeldung des Zuges aus der Nachbarbahnhof berichtet. Den nehmen wir dann auch gleich – vielleicht zur nächsten letzten Reise vor der Warnung?


Danke für die Aufmerksamkeit und ein schönes negatives Grußgebell aus der Hundehütte.
Au-Au / Bau-bau / Blaf-blaf / Boj-boj / Bow-wow / Гаф-гаф / Haff-haff / Hau-Hau / Ouah-ouah / Vov-vov / Wuff-wuff
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#2
Google hat mir verraten, dass eine lumipöllö lounge am Bahnhof Scharfenstein sei Tongue
Heute endet der tschechische Ausnahmezustand . Minister Havlíček will die Situation danach erst mal 14 Tage lang beobachten, bevor entschieden wird, wie's weiter geht.
Hoffen wir mal das Beste ... Essen Prost Foto Fahrdienstleiter Dampflok
Gruß aus Weixdorf vom Bahnsteig
Seid nett zueinander  Heart
T
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#3
(11.04.2021, 06:38)wxdf schrieb: Google hat mir verraten, dass eine lumipöllö lounge am Bahnhof Scharfenstein sei Tongue

Der Quizmaster röhrt: Onneksi olkoon! Ok
Kollege Elch hatte mich ja vorm Absenden kurz für verrückt erklärt, weil ich den Terminus "FCKW-frei" in die Beschreibung eingebaut hatte. (Ja, wir hätten als Lösung auch "Niederschmiedeberg" graaaade so gelten lassen. Bahnhof)

Dann brauchts jetzt nur noch die passende Witterung und den passenden Wartungszustand, um den Preis einzulösen. Dazu noch mal "herzlichen Glück-Wunsch". Tongue

(11.04.2021, 06:38)wxdf schrieb: Heute endet der tschechische Ausnahmezustand . Minister Havlíček will die Situation danach erst mal 14 Tage lang beobachten, bevor entschieden wird, wie's weiter geht.
Hoffen wir mal das Beste ... Essen Prost Foto Fahrdienstleiter Dampflok

Dem kann ich mich nur anschließen - wobei sich die Smileysammlung mit Blick übern Tellerrand sicherlich heftig erweitern ließe...
Au-Au / Bau-bau / Blaf-blaf / Boj-boj / Bow-wow / Гаф-гаф / Haff-haff / Hau-Hau / Ouah-ouah / Vov-vov / Wuff-wuff
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#4
Guten Nachmittag,

es bewahrheitet sich erneut (und damit auch in diesem Forum) - Pan Pes gelesen, dabei gewesen ... es war wieder einmal vergnüglich der Tour zu folgen.

Danke für die Auflockerung ...

Grüße vom

Prellbock
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#5
(10.04.2021, 23:34)pan pes schrieb: Pfoto 15: Am Haltepunkt Kovářska městys sammelt uns schließlich der weißgrüne Kollege der Linie T7 ein, der kurz nach uns aus dem Wald bricht und die Betriebsstelle erreicht.

Erst sieht der arme Bernd in seinem 7er Kastenbrot blaue Elephanten und dann muß er auch noch aus dem Wald brechen. Das Vugelbeerbaaner-Leben ist schon schwer... Shy


Wuff, waff, wiff; oder so Ähnlich ... (Fremdsprachen sind nicht so meins.)

Und Dank für diesen grandiosen Einstieg im mehrfachen Sinne.
_____________[Bild: kufr.gif]____________
                      ==== Alois N. =====
+++ Wer kein Bier hat, hat nichts zu trinken. (ML) +++
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#6
Randthema : Gerade einen Artikel gelesen : https://www.novinky.cz/domaci/clanek/lid....seznam.cz
Demnach proben viele Tschechen schon mal den Aufstand gegen das Tragen von Masken und die Polizei resigniert langsam.
70,4 % gaben an, bei warmem Wetter keine Maske zu tragen
14,9 % manchmal ja, manchmal nicht
14,7 % meistens ja
Gruß aus Weixdorf vom Bahnsteig
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