Die Folgen einen Unfalls: Brille vor schweren Zügen / 15 B
#1
Hallo,

bekanntlicherweise hat es ja kürzlich in Úpořiny ziemlich gekracht. Eine der Folgen ist zur Zeit der eingleisige Betrieb zwischen Ohníč und Řehlovice.
Da an der Unfallstelle auch der Strom abgeschaltet ist, werden die Güterzüge zwischen den genannten Bahnhöfen mit 750 als Vorspannlok gefahren. Die Blitzbrille 750.301 war auch schon im Einsatz, ich hatte heute das Vergnügen mit der 750.061. Sehr kurzfristig beschlossen, bin ich mit der Liebsten einfach mal bei absolutem Mistwetter losgefahren, schlechter als bei uns konnte es ja kaum sein. Stimmte auch, kein Nebel, kein Regen, immerhin.

In Úpořiny ist man am räumen und bauen. Ein rausgerissenes Drehgestell hält den Mast provisorisch fest. Das Richtungsgleis nach Usti ist auf einigen Metern abgebaut, der umgeschmissene Kohlewagen liegt auch noch da.
[Bild: llppiek3.jpg]

[Bild: 23f6w8h9.jpg]

Los ging's in Ohníč (Wohontsch). 750.061 machte trotz E-Unterstützung der Zuglok 130.035 ordentlich Musik mit dem schweren Zug. Ein freundlicher Strojvedoucí der pfiff und winkte.
[Bild: p8k7tjvu.jpg]

Durch die Langsamfahrstelle in Úpořiny war der Zug bequem zu verfolgen, hier in Velvety.
[Bild: wtkmlel3.jpg]

In Rtyně nad Bílinou (Hertine) hatte die Fuhre wieder Tempo gewonnen. Gut, mehr als 60 ist hier eh nicht drin.
[Bild: xwl5wjmp.jpg]

Řehlovice (Groß Tschochau). Nichts mit abspannen, der Zug ging gleich weiter bis Usti n.L.-zapad.
[Bild: du5qj3i3.jpg]

Durch das langsame Tempo (mehr als 40 waren das sicher nicht) war auch noch ein Bild zwischen Koštov und Trmice drin.
[Bild: rfxkbvd8.jpg]

Trmice. Kaum war die Brille an mir vorbei, öffnete sich die Führerstandstür und der Tf schmiss einen zerknüllten Zettel raus und winkte wieder. Nichts wie hin - es war seine Mailadresse! Big Grin Na klar, schick ich ihm alles.
[Bild: 844axl8s.jpg]

Usti n.L.-zapad. Im Uraltlack 163.062. Einfach ne Schicht Klarlack drauf und so konservieren...  Big Grin
[Bild: upmm2hdh.jpg]

Der "Krušnohor" rollte mit 362.116 durch den Bahnhof.
[Bild: dl3w3is5.jpg]

750.061 war inzwischen Lv zurück nach Ohníč gefahren um die nächste Fuhre zu holen. Wieder Kohle, lang und schwer. Ich schätze den auf 2000 + x Tonnen. Klangvolle Abfahrt, auch wenn die 363.063 etwas mithalf.
[Bild: rldlassa.jpg]

Wieder Velvety, wieder Beschleunigung nach der Langsamfahrstelle.
[Bild: 994bhend.jpg]

Brozánky (Prosanken).
[Bild: 8npxjpjl.jpg]

Diesmal wurde in Řehlovice abgespannt, die Lok setzte weg und fuhr Lv wieder nach Ohníč.
[Bild: ilekd2hr.jpg]

Die 363 hatte schon beide Bügel oben und fuhr gleich weiter nach Usti.
[Bild: wh2mknfo.jpg]

Das ganze wird sicher noch paar Tage so stattfinden, in Úpořiny ist noch einiges zu richten, bis wieder der normale Betrieb aufgenommen werden kann.

Grüße, Daniel
Folgende Nutzer haben sich bei Bobina für diesen Beitrag bedankt:
  • bahnsachse, Dampfrentner, DGL, Frankenland, Jens Klose, jm f, Karl Paul, Mario, PKP-ST44, Reichsbahn68, ungarische Methode
Zitieren
#2
Auf https://www.cd.cz/jizdni-rad/omezeni-pro...luka/9781/ steht, dass bis zum 31.3.2021 bei den Regiojet-Zügen in Úpořiny umgestiegen werden muss.
Fehlen da Ersatzteile für die Reparatur der Bahnanlagen  Huh
Gruß aus Weixdorf vom Bahnsteig
Seid nett zueinander  Heart
T
T
Zitieren
#3
Danke für den Hinweis. Das wäre aber extrem lange für 100 m Gleis, eine Weiche, die LST, bissl Fahrleitung und den BÜ.....
Ich werde mich mal erkundigen.

Grüße,
Daniel
Zitieren
#4
(17.10.2020, 09:43)Bobina schrieb: [...] Das wäre aber extrem lange für 100 m Gleis, eine Weiche, die LST, bissl Fahrleitung und den BÜ..... [...]

Es hat halt dummerweise nicht nur 100 m Gleis, eine Weiche, die LST, bissl Fahrleitung und den BÜ erwischt. Die Entgleisung erfolgte kurz vor oder in der ersten Kreuzungsweiche aus Richtung Ohníč kommend, etwa in Höhe des Lokschuppens. Diese DKW wurde zerstört und jetzt provisorisch durch ein gerades Gleisstück ersetzt. Danach schleifte es den entgleisten Wagen durch den ganzen Bahnhof, bis am BÜ endgültig Schluss (und Chaos) war. Kurz davor liegt allerdings noch ein Hosenträger (doppelte Gleisverbindung), die zumindest ansatzweise auch was abbekommen hat (und wahrscheinlich den Zug endgültig aus der Bahn geworfen hat). Sowohl DKW als auch diese Weichenverbindung dürften Spezialanfertigungen sein, die nicht mal eben jemand auf Lager liegen hat.

Seien wir froh, dass es bei - zugegebenermaßen beträchtlichem - Sachschaden geblieben ist. Das hätte auch anders ausgehen können...

Viele Grüße,

Felix
Zitieren
#5
Weiß man denn schon, was die eigentliche Unfallursache war?

Gruß 
Jens
Zitieren
#6
(17.10.2020, 21:42)T47 007 schrieb: Es hat halt dummerweise nicht nur 100 m Gleis, eine Weiche, die LST, bissl Fahrleitung und den BÜ erwischt. Die Entgleisung erfolgte kurz vor oder in der ersten Kreuzungsweiche aus Richtung Ohníč kommend, etwa in Höhe des Lokschuppens. Diese DKW wurde zerstört und jetzt provisorisch durch ein gerades Gleisstück ersetzt. Danach schleifte es den entgleisten Wagen durch den ganzen Bahnhof, bis am BÜ endgültig Schluss (und Chaos) war. Kurz davor liegt allerdings noch ein Hosenträger (doppelte Gleisverbindung), die zumindest ansatzweise auch was abbekommen hat (und wahrscheinlich den Zug endgültig aus der Bahn geworfen hat). Sowohl DKW als auch diese Weichenverbindung dürften Spezialanfertigungen sein, die nicht mal eben jemand auf Lager liegen hat.

.....

Oh, das wusste ich nicht. Ich war nur am BÜ, dort ist es sehr klar zu sehen. Wenn es so ist wie du sagst, dann ist der Aufwand natürlich etwas größer. Dann sind es etwa 500 m Gleis, zwei DKW's, eine Weiche und ggf. Teile des Hosenträgers. Da der aber im anderen Stammgleis in beiden Richtungen befahren wird, ist der wohl nicht gänzlich zerstört. Das ist alles keine Zauberei und wirkliche Spezialanfertigungen sind das auch nicht, zumindest war das während meiner Berufszeit beim Oberbau so. DKW's und solche Gleisverbindungen werden nicht mehr (bzw. nur in Zwangsfällen) neu projektiert, aber nach wie vor als Tauschteile hergestellt, sowohl mit innenliegenden-als auch mit außenliegenden Zungen, wie und wann auch immer die Industrie das in CZ liefern kann....

Grüße,
Daniel
Zitieren
#7
Ich finde jetzt nicht mehr, wo ich das gelesen hatte. Die defekte Achse eines Güterwagens soll die Unfallursache gewesen sein.
Gruß aus Weixdorf vom Bahnsteig
Seid nett zueinander  Heart
T
T
Folgende Nutzer haben sich bei wxdf für diesen Beitrag bedankt:
  • Clumer, Dampfrentner, Jens Klose
Zitieren
#8
(17.10.2020, 22:44)Bobina schrieb: ... Das ist alles keine Zauberei und wirkliche Spezialanfertigungen sind das auch nicht, zumindest war das während meiner Berufszeit beim Oberbau so. DKW's und solche Gleisverbindungen werden nicht mehr (bzw. nur in Zwangsfällen) neu projektiert, aber nach wie vor als Tauschteile hergestellt, ...

Nur als Vergleich (aus einem aktuellen Fall):
Bei DB Netz wird man vom Fertigprojektieren einer (einfachen) Weiche bis zu deren Einbau am Besten ein ganzes Jahr eingeplant (mind. wohl 9 Monate).

Da ist man in CZ mit 6 Monaten von Schadenseintritt bis vsl. Ersatz noch gut dabei.

Ahoj
[Bild: auto.gif] erzeugt [Bild: smrt.gif]
Zitieren
#9
Da habe ich aber aus meiner Berufspraxis anderer Erfahrungen, sowohl bei der LST- und Oberbauprojektierung als auch bei der Bauausführung. Beispielsweise lagen zwischen Auftragsvergabe, Projektierung und Bau einer temporären Überleitstelle keine zwei Monate. Komplexmaßnahmen hatten natürlich längeren Vorlauf.
Aber gut, irgendeinen Grund wird es schon haben dass es dort so lange dauert. Sicherlich hat SŽDC auch wichtigere Baustellen und so sehr viel Verkehr rollt auf der Strecke ohnehin nicht.

Grüße,
Daniel
Zitieren
#10
Die Eisenbahnverwaltung erwartet, dass die Kosten für die Reparatur des Bahnhofs nach dem Unfall vom Schuldigen getragen werden.

Die Entgleisung des Güterzuges von SD - Kolejová doprava im September letzten Jahres war eines der größten Schadenereignisse der tschechischen Eisenbahnen.
Dies ergibt sich aus dem Ergebnis einer öffentlichen Ausschreibung für die Reparatur der Station. Der Auftrag über 68,5 Millionen Kronen wurde von der Litoměřicer Firma Chládek & Tintěra gewonnen, der Auftrag ist bereits im Vertragsregister eingetragen. Für die Fertigstellung haben sie 19 Monate Zeit. Durch die Reparaturen wird der Verkehr auf der Strecke von Ústí nad Labem nach Bílina für etwa einen Monat erheblich eingeschränkt. Der Abschnitt Řehlovice - Úpořiny - Ohníč wird zwei Wochen lang ununterbrochen gesperrt.
"Die Reparatur ist erforderlich wegen der Beseitigung der Folgen des Unfalls, der Verschmutzung des Gleisbettes und seiner geringen Durchlassfähigkeit sowie wegen der abgenutzten Holzschwellen und Weichenbestandteile, insbesondere weiterhin wegen Schäden an den Gleisen und Fahrleitungen", führt die Eisenbahnverwaltung in den Ausschreibungsunterlagen an.
Die Eisenbahnverwaltung geht davon aus, dass die Reparaturkosten am Ende nicht von ihr, sondern vom Schuldigen bezahlt wird. Der ist noch nicht offiziell bekannt. "Die Eisenbahnverwaltung hat ihre Untersuchung der Ursachen und Verantwortlichkeiten für die Entgleisung von Schienenfahrzeugen bereits abgeschlossen. Nachdem alle zur Quantifizierung und Dokumentation des Schadens erforderlichen Unterlagen ausgefüllt wurden, wird die Eisenbahnverwaltung ihre Entschädigung gegen den Schuldigen des außergewöhnlichen Ereignisses geltend machen ", sagte Dušan Gavenda, ein Sprecher der Eisenbahnverwaltung.
Die Eisenbahnaufsichtsbehörde hat die Untersuchung noch nicht abgeschlossen, nach dem Unfall jedoch einen Defekt an den Wagen als vorläufige Ursache festgestellt. Es war ein Zug der Firma SD - Kolejová doprava, die zum halbstaatlichen ČEZ gehört. "Da die Untersuchung des Ursprungs und der Ursachen des Unfalls in Úpořiny von der Eisenbahninspektion noch nicht abgeschlossen wurde, wird SD - Kolejová doprava keine Informationen liefern", sagte Vilém Lerach, Mitglied des Verwaltungsrates. Er beantwortete auch nicht die Frage, welche Firma die Revisionsreparaturen an den Wagen machte.

Erkannter Wagenachsbruch

Der Unfall ereignete sich im vergangenen September. Es war ein mit Kohle beladener Zug. Insgesamt fünf Wagen entgleisten, drei stürzten um. Der Generalinspekteur der Eisenbahninspektion, Jan Kučera, teilte Zdopravy.cz damals mit, dass an Ort und Stelle ein Bruch einer Güterwagen-Achse festgestellt worden sei. "Wir sehen dies als Ursache des Unfalls, nicht als sein Ergebnis. Unsere Untersuchung geht also in diese Richtung ", sagte Kučera. Die Inspektoren befassen sich daher beispielsweise mit der Wartung und Inspektion der Fahrzeuge.
Im vergangenen Jahr lobte Kučera auch die schnelle Reaktion der Fahrdienstleiterin auf den Notfall. "Als sie das nicht standardmäßige Fahren eines Wagens sah, rannte sie in die Verkehrskanzlei, um den General Stopp zu nutzen, womit sie (allerdings] angesichts der Geschwindigkeit des Zuges und der weiteren Entwicklung des Unfalls nichts verhindern konnte", fügte Kučera hinzu.
https://zdopravy.cz/odstraneni-skody-po-...run-76745/
Gruß aus Weixdorf vom Bahnsteig
Seid nett zueinander  Heart
T
T
Zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste